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8. Wettkampftag (01.04.07)
von Kai Steinbrunn

Zusammenfassung

"Ende gut, alles gut?" "Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende?" Nein - so richtig will keine dieser gängigen Redensarten zum Ende dieser Schwimm-WM passen.

Der letzte Wettkamftag hatte für das deutsche Team noch einmal Licht und Schatten im Gepäck.

Die tragische Figur des Tages aus deutscher Sicht ist ein bißchen die Lagenspezialistin Nicole Hetzer, die wie schon so viele vor ihr den Einzug ins Finale verpasste. In ihrem Fall waren das die 400m Lagen. Und wenn sie sich am Ende des Tages die im Finale geschwommenen Zeiten angeschaut hat, dann wird sie sich grün und blau geärgert haben. Mit einer Zeit in der Nähe ihrer Bestzeit (4:37,97) hätte sie eine sichere Silbermedaille gehabt. So aber schwamm sie sich in sehr mäßigen 4:45,27 aus dem Finale.

Ein ähnliches Bild lieferte die Lagenstaffel der Männer. Leistungen wie die 100m Rücken von Helge Meeuw (0:56,40) und die 100m Brust von Johannes Neumann (1:02,35) sind international nun einmal nicht konkurrenzfähig. Insbesondere von Helge Meeuw kann man in guter Verfassung deutlich mehr erwarten.
So war es einzig der 20-jährige Bayreuther Michael Schubert, der mit seiner 49,19 als Freistilischwimmer eine wirklich ordentliche Leistung ablieferte. Für die Qualifikation für das Finale reichte es aber mit Platz 15 natürlich nicht.

Die US-Staffel war bereits im Vorfeld hoch favorisiert. Über beinahe jede Teilstrecke konnten sie einen Weltmeister an den Start schicken. Die US-Boys wurden allerdings im Vorlauf wegen Frühstarts des dritten Schwimmers disqualifiziert. Was Ian Crocker dazu getrieben hat, einen derart knappen Wechsel auszuführen, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Mit dieser Aktion verwehrte er der amerikanischen Mannschaft nicht nur eine sichere Goldmedaille, sondern sorgte auch dafür, dass sein Kumpel und Trainingspartner Michael Phelps den bisherigen Rekord von Mark Spitz aus dem Jahre 1972 nicht mehr überbieten konnte. Dazu nämlich, wären 8 Goldmedaillen nötig gewesen. So kam Phelps "nur" auf 7 x Gold und konnte mit der Schwimmlegende der 70er Jahre immerhin gleichziehen. Viel mehr als der verpasste Eintrag in die Geschichtsbücher, wird den amerikanischen Superstar aber der Verlust der angeblich von einem Sponsor ausgelobten Sonderprämie in Höhe von 1.000.000 USD ärgern. Diese sollte dem Vernehmen nach gezahlt werden, wenn Phelps den Rekord von Mark Spitz brechen würde.

Unser Hauptaugenmerk galt im letzten Finalabschnitt der WM natürlich dem Finale über 50m Rücken der Herren. Mit Thomas Rupprath und Steffen Driesen standen zwei aussichtsreiche Medaillenkandidaten am Start, und wann konnte man so etwas während dieser WM schon einmal vom deutschen Team sagen.
Für den Weltrekordler über diese Strecke, Thomas Rupprath, war es dann immerhin Silber in 0:25,20, während für Steffen Driesen in 0:25,29 der undankbare 4. Platz blieb.

Britta Steffen schickte sich über 50m Freistil an, evtl. noch einmal den Sprung aufs Treppchen bei dieser WM zu schaffen. Doch auch für die Berlinerin gab es am Ende den undankbaren 4. Platz. Hier muss man aber auch ganz deutlich sagen, dass diese 50m eigentlich ein wenig zu kurz für Britta sind. Um zumindest die Bronzemedaille zu gewinnen, hätte sie in diesem Rennen einen neuen Deutschen Rekord schwimmen müssen.

Mit Janne Schäfer stand noch eine weitere DSV-Starterin in einem Finale, der man durchaus zumindest Außenseiterchancen auf eine Medaille über die 50m Brust zugestehen konnte. Auch für die Psychologiestudentin aus Wolfsburg, die im südenglischen Bath studiert und trainiert, reichte es jedoch nicht ganz. Sie wusste nicht so recht, ob sie sich über den 5. Platz ärgern oder freuen sollte. Wir hoffen, dass sie sich jetzt mittlerweile in der Nachbetrachtung freut. Denn auch wenn nicht alles hundertprozentig gestimmt hat, kann man auf einen 5. Platz in einem WM-Finale allemal sehr stolz sein!

Dieser letzte Wettkampftag hielt aus schwimmsportlicher Sicht aber noch zwei wirkliche Leckerbissen bereit.

Zum einen das wirklich spannende Finale über 1500n Freistil, das der Pole Sawrymowicz mit neuem Europarekord in 14:45,94 vor Yury Prilukov (RUS) und David Davies (GBR) gewinnen konnte.

Zum anderen eine erneute Demonstration des Michael Phelps über 400m Lagen. In 4:06,22 unterbot er seinen eigenen Weltrekord um sage und schreibe 2 Sekunden.
Wenn man sich dagegen anschaut, dass der Deutsche Meistertitel bei den Wintermeisterschaften in 4:25,59 (Manuel Aberle) und im Sommer 2006 in 4:22,18 (Lukasz Wojt - startet international für Polen) vergeben wurde, wird einem die Misere des deutschen Schwimmsports deutlich vor Augen geführt.

Morgen werden wir Ihnen, liebe Leser noch ein kleines Fazit dieser WM präsentieren. Der Hamburger Chefcoach Carsten Gooßes hat uns ein paar abschließende Worte aus Hamburger Sicht versprochen. Und nach der Rückkehr unserer beiden WM-Teilnehmer Birte Steven und Jens Thiele, hoffen wir auch von dieser Seite noch ein kleines Statement zu bekommen.

Wir, d.h. die Schwimmredaktion (Mike Utermöhlen und Kai Steinbrunn) und auch der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige 2. Vorsitzende Andreas Wolf, verabschieden uns einstweilen schon einmal von Ihnen liebe Leser und bedanken uns für die Aufmerksamkeit. Mit diesem Beitrag beschließen wir unsere mehr oder weniger aktuelle Berichterstattung von der WM.
Ganz herzlich bedanken möchten wir uns bei Sebastian Franke vom Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein, der uns in dieser Zeit ganz hervorragend unterstützt hat und mit den täglichen Pressemitteilungen dazu beigetragen hat, dass der Hamburger Schwimmsport wieder einmal in aller Munde war und ist.

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