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7. Wettkampftag (31.03.07)
von Kai Steinbrunn

Zusammenfassung

Der siebte Tag brachte aus deutscher Sicht dann doch noch ein paar (Teil)erfolge.

Im Vorlaufabschnitt qualifizierten sich Britta Steffen (50m Freistil in 0:25,40), Thomas Rupprath (50m Rücken in 0:25,25), Steffen Driesen (50m Rücken in 0:25,52), Janne Schäfer (50m Brust in 0:31,77) und die deutsche Damen-Lagenstaffel (4:04,62) für die Semifinals, bzw. das Staffelfinale.
Mit dabei auch die Wahl-Hamburgerin Birte Steven, die als Brustschwimmerin in der Lagenstaffel gesetzt war, nachdem sie über die 100m Brust im Einzelwettbewerb sowohl im Vorlauf, als auch im Semifinale schnellste deutsche Starterin war. Für eine ausgewiesene 200m-Spezialistin sicher eine ungewöhnliche Situation.

Der Finalabschnitt begann heute mit drei Finals ohne jede deutsche Beteiligung. Über 50m Schmetterling konnte sich mit Therese Alshammar (SWE) eine Schwimmerin in 0:25,91 durchsetzen, die schon lange auf den kurzen Distanzen in der Weltspitze dabei ist und die hier in Hamburg auch keine Unbekannte ist. Zu Zeiten Dirk Langes trainierte sie für eine kurze Zeit in seiner Trainingsgruppe im Dulsbergbad. Zuletzt konnten die Hamburger Schwimmfans Therese im letzten August bei den Deutscher Ring Aquatics am Hamburger Rothenbaum live bewundern.

Die 50m Freistil gerieten einmal mehr zu einer Demonstration der US-Amerikaner. Benjamin Wildman-Tobriner (USA) holte sich die Goldmedaille in 0:21,88 ganz knapp vor seinem Landsmann Cullen Jones, der mit 0:21,94 nur 6/100 später anschlug. Mit 0:21,97 blieb für Stefan Nystrand (SWE) als schnellstem Europäer in diesem Feld "nur" die Bronzemedaille.

Nach dem Vorlauf-Aus für Nicole Hetzer und dem Verzicht von Annika Lurz auf die 200m Rücken, blieb dieses Finale ebenfalls ohne deutsche Beteiligung. Gold ging hier nicht unerwartet in 2:07,16 an Margaret Hoelzer (USA).

Es folgte das Semifinale über 50m Brust der Damen. Hier stand mit Janne Schäfer die Deutsche Rekordhalterin am Start. Sie konnte sich mit 0:31,23 als Viertschnellste für das morgige Finale qualifizieren. Wenn sie dort an ihren erst im November letzten Jahres aufgestellten Deutschen Rekord von 0:30,89 heranschwimmen kann, gibt es für die in Großbritannien trainierende Wolfsburgerin sogar echte Medaillenchancen.

Einen weiteren Doppelerfolg für die USA konnten wir über die 100m Schmetterling der Herren beobachten. Bis 1,50m vor dem Ziel war ich mir sicher, dass dieses Gold an Ian Crocker (0:50,82) gehen würde. Aber irgendwie schaffte es Michael Phelps (0:50,77) dann doch noch, seine Fingerspitzen um Haaresbreite vor seinem Trainingskollegen an die Anschlagmatte zu bekommen. Einmal mehr eine Demonstration der derzeitgen amerikanischen Überlegenheit und ganz nebenbei ganz großer Schwimmsport!

Britta Steffen war die nächste DSV-Athletin, für die es um den Einzug in ein Einzelfinale ging. Im Semifinale über 50m Freistil schwamm sie in 0:25,06 zeitgleich mit Jodie Henry (AUS) als fünfte ins Finale. Über diese Strecke hält Britta in 0:24,72 den Deutschen Rekord gemeinsam mit Sandra Völker. Wenn sie morgen eine Medaille gewinnen möchte, wird sie in den Bereich dieser Bestzeit schwimmen müssen.

Die 50m Rücken sind seit Jahren eine der letzten verbliebenen Domänen des deutschen Schwimmsports. Über die internationale Wertigkeit dieser und anderer nicht-olympischer Strecken mag man geteilter Meinung sein - bei EM und WM waren es in den letzten Jahren jedoch gerade diese Strecken, die den DSV in den oberen Rängen des Medaillenspiegels halten konnten.
Mit Thomas Rupprath, der sich vor allem auf diese Strecke spezialisiert hat, stand immerhin der aktuelle Weltrekordhalter auf der Startbrücke. Direkt neben ihm ging Steffen Driesen ins Wasser, schwamm in 0:25,21 ganz dicht an seine Bestzeit heran.und qualifizierte sich als Zweitschnellster für das Finale. Für Thomas Rupprath (0:25,29) war es der 4. Platz und damit ebenfalls die Finalqualifikation.

Ein wirkliches packendes Duell lieferten sich über die 800m Freistil Kate Ziegler (USA) und Laure Manaudou (FRA). Spätestens nach 200m war klar, dass diese beiden den Kampf um Gold unter sich ausmachen würden. Man konnte zeitweise meinen, beim Synchronschwimmen gelandet zu sein. zumindest was die Durchgangszeiten der beiden anbelangte. Und so fiel die Entscheidung auch erst auf den letzten 50m. Am Ende war es dann die Amerikanerin, die sich in 8:18,52 den Sieg vor einer sichtlich geschockten Manaudou (8:18,80) holte. Niederlagen sind definitiv nicht die Sache der großgewachsenen Französin.

Der letzte Wettkampf dieses Tages war das Finale über 4x100m Lagen der Damen. In der deutschen Staffel schwammen Antje Buschschulte, Birte Steven, Daniela Samulski und Britta Steffen. Bereits während der ersten Teilstrecke zeigte sich, dass es für die deutschen Damen nicht zu einem vorderen Platz reichen würde. Dazu waren die Einzelleistungen einfach zu schwach. Und so kamen die deutschen Damen über den 7. Platz nicht hinaus. Im anschliessenden ZDF-Interview zeigte sich Birte Steven doch ziemlich enttäuscht. Bei den Vorleistungen aller vier Athletinnen in der vergangenen Woche war aber definitiv nicht mehr zu erwarten. Birte selbst hat ihre Einzelleistung aus dem Vorlauf bestätigen können und blieb mit 1:09,46 absolut im Bereich ihrer Möglichkeiten. Sie ist seit August 2006 wieder voll im Training und hat sich in dieser kurzen Zeit in der Weltspitze über 200m Brust etabliert. Es ist also eher ein Armutszeugnis für den Deutschen Schwimmverband, dass über die 100m Brust eine ausgewiesene 200m-Spezialistin derzeit die schnellste Alternative ist.

Morgen folgt nun also der letzte Tag dieser WM. Es wurde und wird viel gesagt und noch mehr geschrieben - von berufener Seite und auch von Personen, die von den Medien als Schwimmsportexperten herangezogen werden. Hoffen wir, dass diese Experten diese Bühne nicht nur dazu nutzen, um ihre eigene Eitelkeit zu befördern.

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