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6. Wettkampftag (30.03.07)
von Kai Steinbrunn

Zusammenfassung

Heute Mittag (MESZ) stand eine glücklich strahlende Birte Steven zum Blitzinterview der ARD bereit. Wenige Augenblicke zuvor war sie im Finale über 200m Brust auf einen hervorragenden 6. Platz geschwommen.

Vor allem die Art und Weise, wie sie dieses Rennen angegangen ist, war wirklich beeindruckend. Nach den Erfahrungen im Vorlauf und Semifinale, hatte sie sich entschieden, auf die Taktik des Vorlaufes zurückzugreifen und die hieß volles Rohr! Vorne gleich Gas geben, mit einer schnellen 100m-Zeit angehen und dann hinten auf den letzten 50m kämpfen und sehen, was noch geht. Die Zwischenzeit bei 100m (1:10,88) war dann auch noch einmal schneller, als im Vorlauf und bis zur 150m-Wende lag sie mit dieser Taktik auf einem sehr guten fünften Platz. Diesen konnte sie bis etwa 15 m vor dem Zielanschlag halten, wurde dann aber leider doch von der Chinesin Nan Luo überholt, die noch bei der 100m-Marke auf Platz 7 gelegen hatte.

Von der Einstellung, mit der Birte diese WM angegangen ist, können sich die meisten DSV-Athleten eine gewaltige Scheibe abschneiden. Im Interview gefragt, was andere Nationen, wie z.B. die USA anders machen, sprach sie auch an, was jedem Fernsehzuschauer entgegenspringt: Die Amerikaner gehen so eine Veranstaltung mit viel Spaß und einer ansteckenden Lockerheit an, die dabei keinesfalls im Widerspruch zu einer maximalen Leistung im Wettkampf steht. Sicher haben Birte die Studienjahre in den USA geholfen, sich von negativen Stimmungen im DSV-Team nicht anstecken zu lassen. Man merkte ihr an, dass sie sich wirklich freute, bei der WM zu sein und dass sie gekommen war, um Spaß zu haben und um dieses Erlebnis wirklich zu genießen.
Dass dabei dann schließlich mit dem 6. Platz über 200m Brust ein Ergebnis heraussprang, mit dem sie die hohen Erwartungen im Vorfeld der WM absolut erfüllte, unterstreicht ganz deutlich, dass neben einer guten Vorbereitung vor allem die richtige Einstellung da sein muss, um maximale Leistungen zum Saisonhöhepunkt abrufen zu können.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch Birte zu einer tollen WM! Wir ziehen den Hut und freuen uns mit Dir, dass die harte Trainingsarbeit schon jetzt diese Früchte getragen hat und wünschen Dir, dass Dir diese WM noch zusätzlichen Antrieb für Deinen Weg nach Peking gibt!

Neben diesem aus Hamburger Sicht sicher interessantesten Wettkampf des Tages, standen aber auch noch weitere Entscheidungen auf dem Programm, über die es zu berichten lohnt.

Gleich die erste Entscheidung des Finalabschnitts waren die 100m Freistil der Damen, mit der sicher größten Goldhoffnung des DSV, der Weltrekordhalterin Britta Steffen.
Zum Gold hat es leider nicht gereicht. In 0:53,74 blieb für Britta "nur" der 3. Platz hinter Libby Lenton (AUS) und Marleen Veldhuis (NED).Trotz der gewonnenen Medaille wollte sich die richtige Freude bei Britta Steffen nicht einstellen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass sie noch am Sonntag in der 4x100m Freistilstaffel mit fliegenden 0:52,65 (bei einer mäßigen Wechselzeit von nur 0,37s) eine Zeit hingelegt hatte, die noch keine andere Frau jemals hat schwimmen können. Mit einer solchen Vorleistung und eben auch als amtierende Weltrekordhalterin sind die eigenen Ansprüche natürlich höher, als der 3. Platz.

Es folgte das Finale über 200m Rücken der Männer. Und wieder ein geradezu historischer Augenblick, an dem in diesem Falle gleich zwei US-Amerikaner beteiligt waren. Der große Aaron Peirsol, der über diese Strecke seit nunmehr sechs Jahren keine Niederlage hat einstecken müssen, wurde von seinem Landsmann Ryan Lochte als Weltmeister entthront. Und damit nicht genug - in 1:54,32 entriss Lochte ihm auch noch den Weltrekord und konnte somit allein für dieses Rennen Prämien in Höhe von 37.000 USD einstreichen, die die FINA in diesem Jahr erstmalig bei der WM auslobt (Sieg = 12.000 USD, Weltrekord = 25.000 USD).

Bemerkenswert war natürlich noch die Königsstaffel im Schwimmsport, die 4x200m Freistilstaffel der Herren. Das DSV-Quartett war bereits im Vorlauf mit zum Teil katastrophalen Einzelleistungen als 9. ausgeschieden. Die in der Presse zu lesende Aussage des Schlusschwimmers Lars Conrad, er habe nicht gewusst, dass er für die 4x2 vorgesehen war und sich deshalb nicht auf diese Strecke vorbereitet, möchte ich an dieser Stelle einmal unkommentiert stehen lassen.
Im Endlauf gab es einen deutlichen Start-Ziel-Sieg der favorisierten US-Staffel mit Michael Phelps, Ryan Lochte, Klete Keller und Peter Vanderkaay, die in 7:03,24 den alten Weltrekord der Australier um fast 1,5 Sekunden unterboten.

Auch der 6. Wettkampftag war also ein Tag, der den Schwimmsportfans wieder einiges zu bieten hatte.

Morgen freuen wir uns vor allem auf die 4x100m Lagenstaffel der Damen mit Birte Steven an zweiter Position und hoffen, dass die Damen es schaffen, sich für das Finale zu qualifizieren.

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