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1. Wettkampftag (25.03.07)
von Kai Steinbrunn

Zusammenfassung

Der erste Wettkampftag der Beckenschwimmer verlief sicher nicht so, wie ihn sich Teamchef Dr. Örjan Madsen und seine Athleten vorgestellt haben.

Lediglich die 4x100m Freistilstaffel der Damen konnte sich für das heutige Finale qualifizieren. Von den derzeitigen Inhabern des Weltrekordes durfte man das allerdings auch als Minimalziel erwarten. Leider blieb es dabei. Im Finale blieben Petra Dallmann und Annika Lurz jeweils etwa eine halbe Sekunde über ihren Leistungen, verglichen mit der Weltrekordstaffel von Budapest. Die Zeit von Daniela Samulski war sogar um etwa 0,8 Sekunden langsamer, als die von Daniela Götz in besagtem Staffelfinale in der ungarischen Hauptstadt. So konnte auch eine erneut entfesselt schwimmende Britta Steffen am Ende den Rückstand auf die Medaillenplätze nicht mehr wett machen. Ihre Einzelzeit (0:52,65) dürfte selbst bei Anrechnung der Wechselzeit die schnellste jemals von einer Frau auf dieser Erde geschwommene Zeit über 100m Freitstil gewesen sein. In Budapest war sie in der Staffel nur 1/100 langsamer und schwamm dann ein paar Tage später einen fantastischen Weltrekord. Diese Erkenntnis sollte uns über einen ansonsten aus deutscher Sicht eher unerfreulichen Wettkampftag hinwegtrösten und dem Team Mut für die nächsten Tage machen.

Das Ergebnis der 4x100m Freistilstaffel der Herren spiegelte deutlich wieder, wo sich die Männer des DSV im internationalen Vergleich einzuordnen haben. Mit den zum Teil sogar recht guten individuellen Leistungen der vier Athleten - Jens Thiele konnte sich gegenüber dem EM-Finale in Budapest noch einmal um 2/10 steigern - gewinnt man als Staffel heutzutage leider keinen Blumentopf mehr, bzw. hat eben keine Chance, sich für das Staffelfinale zu qualifizieren.

Zu diesem Thema passt ein Kommentar von Thomas Rupprath recht gut, der unmittelbar nach dem verlorenen Ausschwimmen um den letzten Semifinalplatz über 50m Schmetterling nach den möglichen Gründen für sein Scheitern gefragt wurde. Rupprath antwortete, dass er schon sehr enttäuscht sei, zumal die im Ausschwimmen erzielte 0:23,90 für ihn gar nicht so schlecht sei und mit so einer Zeit habe man bei den letzten Weltmeisterschaften immerhin das Finale erreichen können.

Dass der sympathische Rostocker mit dieser Aussage absolut Recht hat, ist nicht nur tragisch, sondern sollte auch aufrütteln.

Unsere beiden Schmetterlinge Antje Buschschulte und Daniela Samulski, die sich noch am Vormittag für das Semifinale über 100m Schmetterling qualifiziert hatten, konnten ihe Leistungen aus den Vorläufen leider nicht mehr steigern und scheiterten somit an der Qualifikation für das morgige Finale.

Auch für Nicole Hetzer bedeutete das Semifinale über 200m Lagen die (vorläufige) Endstation. Ihr Hauptrennen sind jedoch die 400m Lagen am kommenden Sonntag. Und wer weiß? Vielleicht hatte sie ja Recht, als sie in einem Interview meinte, dass ihr bei einer überragenden Leistung über die 200m eher Bedenken gekommen wären. Bedenken, ob es ihr gelingen kann, die Topform über sieben Tage zu konservieren.

Der schwimmsportliche Leckerbissen war am heutigen Tage sicher neben den beiden Staffeln, vor allem das Finale über 400m Freistil der Männer. Schon während der Vorläufe war es mächtig zur Sache gegangen und einige Favoriten wie Rosolino (ITA) oder Keller (USA) waren auf der Strecke geblieben.
Was sich dann aber gerade auf den letzten 100m im Finale abspielte, war grandioser, mitreissender Schwimmsport! Und so schickte sich ein 16 jähriger Koreaner an, es den Hacketts, Prilukovs und Vanderkaays dieser Welt einmal so richtig zu zeigen. Christian Keller lehnte sich als Co-Kommentator beim ZDF recht weit aus dem Fenster und bezeichnete Tae Hwan Park schon als den "neuen Thorpe".
Stilistisch eine Augenweide sind natürlich auch vom Alter her große Parallelen zum Aufstieg des australischen Superstars festzustellen.
Die Silbermedaille holte sich der Tunesier Mellouli, der bereits in Montreal Bronze über diese Strecke gewann.

Auf die weiteren langen Freistilstrecken der Männer darf man angesichts des heutigen 400m-Rennens wirklich gespannt sein.

Natürlich ist es nach dem ersten Tag der WM viel zu früh, um schon Schlussfolgerungen zu ziehen. Und so werden wir unseren beiden Hamburger Athleten und natürlich der gesamten Nationalmannschaft auch weiterhin kräftig die Daumen drücken und die Wettkämpfe in Melbourne gespannt verfolgen


Vorläufe

Gleich im ersten Wettbewerb der Beckenschwimmer gingen zwei deutsche Teilnehmerinnen an den Start.
Antje Buschschulte (SC Magdeburg) und Daniela Samulski (SG Bayer) absolvierten ihre Vorläufe über 100m Schmetterling.
Beide Schwimmerinnen konnten sich für die heutigen Semifinals qualifizieren. Dabei wurde Antje Buschschulte 12. in guten 0:59,39 und Daniela Samulski 14. in 0:59,70, womit sie knapp eine Sekunde über ihrem eigenen Deutschen Rekord blieb (0:58,75), den sie im November bei den Deutschen Wintermeisterschaften in Hannover aufgestellt hat. Um heute Abend (Ortszeit) das Finale zu erreichen, wird eine Zeit über dem Deutschen Rekord kaum ausreichen.

Das erste Rennen der Herren wurde ohne deutsche Beteiligung absolviert. Paul Biedermann (SV Halle) hatte sich für dieses Rennen qualifiziert, wird sich aber auf die 200m Freistil und die 4x200m Freistilstaffel konzentrieren.
Langweilig war es trotzdem nicht. Da es ab 400m aufwärts keine Semifinals gibt, mussten die Herrschaften schon iin den Vorläufen die Karten auf den Tisch legen. Im drittletzten Vorlauf war es Yuri Prilukov (RUS), der sich erst sehr weit zurückfallen ließ und dann mit einem gewaltigen Endspurt den zweiten Platz in seinem Lauf belegte, hinter Peter Vaanderkay (USA).
Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch in den letzten beiden Vorläufen ab. Dass so ein Rennverhalten auch hochgradig riskant sein kann, mussten Topleute wie Grant Hackett (AUS), Massimilliano Rosolino (ITA) und Klete Keller (USA) schmerzhaft feststellen. Während es für den australischen Schwimmstar mit Platz 8 so gerade eben noch gut ausging, verabschiedeten sich die anderen beiden doch etwas unerwartet.

Auch für Nicole Hetzer (Wacker Burghausen) reichte es zum Einzug ins Semifinale. In 2:16,76 schwamm sie in den Vorläufen über 200m Lagen auf Platz 13 genau 1/100 vor der Slowenin Anja Klinar, die ihren letzten WM-Test Mitte März beim ISM in Berlin absolvierte.

Thomas Rupprath (SC Empor Rostock) machte es über 50m Schmetterling richtig spannend. Zeitgleich mit Peter Mankoc und Jernej Godec (beide SLO) schwamm er in 0:24,06 auf den 16. Platz und musste somit zum Ausschwimmen am Ende des Abschnitts antreten. Auch hier war es wieder denkbar knapp. Mit einer Zeit von 0:23,90 reichte es für den Wahl-Rostocker leider nicht. Die beiden Slowenen waren schneller und schwammen mit 0:23,74 wieder genau zeitgleich. Bis zum Redaktionsschluss gab es hier keine Entscheidung, wie der 16. Starter im Semifinale über 50m Schmetterling heißt. Für den zweiten deutschen Athleten, Benjamin Starke (PSV Cottbus) , reichte es mit 0:24,25 leider nicht. Für ihn war mit Platz 23 nach den Vorläufen Schluss.

Keine Überraschungen gab es über die 400m Freistil der Damen, die ebenfalls ohne deutsche Beteiligung stattfanden. Nach den Rücktritten von Hannah Stockbauer und Jana Henke, kann der DSV hier derzeit leider international nicht mehr mithalten.
In diesem Finale werden wir mit Laure Manaudou (FRA), Otylia Jedrzejczak (POL), Ai Shibata (JPN), Federica Pellegrini (ITA) und Kathryn Hoff (USA) alle üblichen Verdächtigen sehen. Nachdem Manaudou die 200m Lagen zu Gunsten dieser 400m Freistil ausgelassen hat, dürfen wir von der Weltrekordhalterin sicher einiges im Finale erwarten.

Die 100m Brust der Herren sind seit Jahren ein Sorgenkind des DSV. Der einzige deutsche Starter, Johannes Neumann, kam in 1:02,48 nur auf den 28. Platz und konnte sich somit nicht für das Semifinale qualifizieren.

Die 4x100m Freistilstaffel der Damen mit Petra Dallmann, Annika Lurz, Meike Freitag und Britta Steffen qualifizierte sich als 5. nach den Vorläufen für das heutige Finale.

Für die 4x100m Freistilstaffel der Herren war im Vorlauf leider Endstation. In der Mannschaft standen Jens Schreiber, Michael Schubert, Jens Thiele und Lars Conrad. Mit ihrer Zeit von 3:19,00 landeten sie in der Endabrechnung der Vorläufe auf Platz 10. Jens Thiele schwamm dabei an dritter Position eine 0:49,75 und wiederholte damit seine Leistung, die er bei den Europameisterschaften in Budapest zeigen konnte.

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