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2. Wettkampftag (12.04.07)
von Kai Steinbrunn

Zusammenfassung

„Ich kann es nicht fassen. Keine Ahnung, was da los war. Da schwimme ich hier in Berlin 4 Sekunden schneller als bei der WM. Und dabei war ich fast 10 Tage krankheitsbedingt gar nicht im Wasser. Erst am Dienstag dieser Woche habe ich wieder eine Einheit trainieren können. Und dann so was. Schon die 50m Freistil gestern waren eigentlich ganz gut – nur knapp über meiner Bestzeit.“ Diese Worte kommen von Jens Thiele (SV Eidelstedt), der heute in 2:00,05 Deutscher Meister über 200m Rücken wurde.

Damit blieb der Angestellte der Hamburger Sparkasse um fast genau 4 Sekunden unter seiner Zeit von Melbourne und nur knapp über seiner eigenen Bestzeit, die er bei den Deutschen Wintermeisterschaften in Hannover aufgestellt hatte.
„Natürlich freue ich mich für Jens,“ meinte der Hamburger Chefcoach Carsten Gooßes zu diesem unerwarteten Erfolg seines Schützlings. „Warum Jens diese Leistung in Melbourne nicht abrufen konnte, ist mir noch nicht klar. Hier werden wir in den nächsten Tagen intensiv analysieren“, so Gooßes weiter.
Wir sind gespannt und freuen uns auf die kommenden Tage.

Auch für Birte Steven (AMTV-FTV) lief der heutige Wettkampftag sehr gut. Mit 1:09.65 verpasste sie die Bronzemedaille über 100m Brust nur um 5/100, konnte aber ihre guten Leistungen auch über diese Strecke wieder einmal bestätigen.

Für weitere erfreuliche Leistungen sorgte wieder einmal Marcel Luck (AMTV-FTV), der das Finale über 100m Schmetterling in sehr guten 0:55,59 nur um 2/10 verpasste und gestern über 400m Lagen bereits eine neue persönliche Bestzeit aufstellen konnte. Und auch Lisa Bronowski (AMTV-FTV) braucht sich mit ihrem 5. Platz über 100m Schmetterling in guten 1:01,92 nicht zu verstecken. „Die letzten Meter waren sehr hart für Lisa, das hat man deutlich gesehen,“ so Carsten Gooßes.

Die alles überstrahlende Leistung aber war der neue Deutsche Rekord von Andreas Lösel (SSG Erlangen) über 200m Brust. Er pulverisierte den alten Rekord von Johannes Neumann (DJK SB Regensburg), den dieser 2003 bei den Junioren-Europameisterschaften in Glasgow aufgestellt hatte. Mit 2:11,97 blieb Lösel mehr als 2,5 Sekunden unter der alten Bestmarke und sorgte nach einer fast schon Jahrzehnte anhaltenden Durststrecke über diese Strecke für eine Leistung, mit der er in Melbourne im Finale immerhin den 7. Platz erreicht hätte.

Marco di Carli, der heute seinen 22. Geburtstag feiert (wir gratulieren ganz herzlich!!!), schwamm sich mit seinem Auftritt in der 4x200m Freistilstaffel in das Kuriositätenkabinett dieser Meisterschaft. Auf so eine Art und Weise ist wohl noch niemand vor ihm ein 200m-Rennen geschwommen. Als ausgesprochener Sprinter sind die 200m fast schon ein Marathon-Rennen für den Wahl-Frankfurter. Er dachte sich wohl, dass es sich für einen immerhin amtierenden Deutschen Meister über 100m Freistil geziemt, auch die 200m entsprechend anzugehen. Und so schwamm er als dritter Staffelschwimmer seine ersten 100m in knapp unter 51 Sekunden.

Damit war er sogar schneller als Michael Phelps bei dessen gerade erst aufgestellten 200m-Weltrekord. Aber ein 200m-Rennen ist eben erst nach 200m zu Ende und keinen Meter früher. Und so kam es, wie es kommen musste: Marco brach regelrecht ein und schwamm den zweiten 100er in 1:03,5 !! Insgesamt also für ihn absolut eine hervorragende Zeit, aber die Art und Weise, wie diese zustande kam, ist schon wirklich bemerkenswert.

Ich hatte eben noch kurz Gelegenheit, mit Marco über dieses Rennen zu sprechen. „Wenn ich die ersten 100 unter 50 angegangen wäre, hätte ich vom Lurz 50 EUR bekommen,“ lachte der mittlerweile schon wieder erholte Sögeler, als er von der Dopingkontrolle kam. „Aber das Ziel, die ersten 100 schneller als der Phelps zu schwimmen, habe ich ja erreicht!“

In diesem Sinne freuen wir uns auf eine sportlich weiter so erfolgreiche DM. Und wenn dabei der Spaß nicht zu kurz kommt, dann kann das sicher auch nicht schaden, wird den Deutschen Athleten doch immer vorgeworfen, es würde ihnen an der Lockerheit der Australier und der Amerikaner mangeln.

Für heute darf ich mich verabschieden und ihnen für morgen insbesondere die 200m und die 1500m Freistil der Herren ans Herz legen. Hier erwarten uns sicher spannende Wettkämpfe!

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