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Glosse – über die vertane Chance Hamburgs sich bei den Weltmeisterschaften der Masters in USA in Szene zu setzen

„I had a dream...“

Als mir im Zusammenhang mit den diversen privaten Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft der Masters in Stanford (USA) zu Ohren kam, daß jetzt auch ein Vertreter unseres Schwimmverbandes ‚auf den Zug aufspringe’, träumte ich, ermattet auf der Rückfahrt vom wöchentlichen Training, einen Traum, den ich Euch nicht vorenthalten wollte...

Ich sah einen Leiter des ‚Projekts Stanford’ in unseren Trainingsstätten, der abklärte wer reellen Siegchancen hätte und sich erkundigte welche Unterstützung der Verband geben könnte. Bei dem einen oder anderen Finalkandidaten wurde dann sogar überlegt, wie die finanzielle Belastung gemildert werden könne (Sponsoring). Dieser Mr. X wurde bald zur guten Fee des ‚Stanford-Corps’. Er kümmerte sich um die schwierigen Einreiseformalitäten (wie ehedem Reisen nach Novosibirsk), die neuen Pässe, ggf. Visa etc. etc. Er machte zusätzliche Trainingszeiten im LLZ1) für die ganze Gruppe locker und konnte sogar die dortigen Kader-Trainer dazu animieren, einmal einen Blick auf die Athleten zu werfen, um ggf. noch gravierende Fehler auszumerzen und Vorschläge für das Techniktraining zu unterbreiten. Besonders für die aus kleinen Vereinen, die bislang isoliert und unter widrigen Umständen trainieren mußten.

Die Dynamik des - inzwischen liebevoll: „Teamchef“ - genannten Beauftragten kannte keine Grenzen. Er hatte sogar einen Volkshochkursus >Amerikanisch für Touristen< aufgestöbert, an dem einige teilnahmen und dort nebenbei viel nützliches für einen USA-Besuch erfuhren.

Einen mächtigen Aufschwung bekam das Projekt, als sich die erfolgsgewohnten Wasserballrecken AK55+ vom SV Poseidon entschlossen hinzuzustoßen, um ggf. ihren in Neuseeland zugesprochenen WMM-Titel einmal ‚im Becken’ zu erringen!

Die gesamte Crew bekam sogar ein speziell entworfenes, witziges Hamburg-T-Shirt (mit Badekappe), eine Fahne mit Wappen und andere Hamburgensien (für dortige Offizielle) von der Hansestadt Hamburg spendiert, damit Hamburg in Kalifornien markant auftreten konnte.

Ich konnte und brauchte als Chronist ja nicht dabei sein. Zum einen sind meine Leistungen nicht ausreichend und zum anderen fuhr ja der ‚Teamchef’ – unser ‚Gino’, Tausendsassa, wie auch immer - bewaffnet mit Digitalkamera und Notizblock und e-Mail-Adressen aller interessierenden Redakteure mit!

Als der größte Teil der Mitglieder des ‚Projekts Stanford’ am Flughafen startete, wurde sogar ein ‚kleiner Bahnhof’ spendiert, mit Presse, Stadt- und Verbands-Politikern etc. - und mir wurde feucht um die Augen, ausgerechnet mir, dem ‚ Mies-Macher-Master’ der ‚Sport statt Hamburg’. Was für ein Blitzlichtgewitter.....

Oh nein - die U1 fuhr nur in ‚meine’ Station Hallerstraße ein. Kalter Nieselregen. Ich fröstelte. Durchs Abendblatt des Gegenübers hatte ich erfahren, daß die ‚Sportler des Jahres’, prominente Berufsballtreter und auch einige (Alibi)-Amateure (von den Lesern dieses Blattes?) gewählt worden waren. Keine Schwimmer und erst recht keine älteren Schwimmer – Weltrekorde hin, Weltrekorde her... Hamburg hatte mich wieder und damit der Leitspruch der Hamburger Masterszene:

„Viel Fleiß – kein Preis!“

Hier muß man schon dankbar sein, wenn Ausnahme-schwimmer in den Nutzungslücken der Schwimmhalle des LLZ’s1) geduldet werden. Gegen Widerstände des OSP2) (das Bad verwaltet Bäderland), wie dessen Absage, einmal pro Woche im leeren Fitneßbereich für 45min einige dringende notwendige Kraftübungen zu absolvieren, zeigt.

Aber auch der Verband mochte sich für seine Weltklasse-Athleten im abseitigen Seniorenbereich (ab 20. Lebensjahr!) nur halbherzig stark machen...

Abb.1: Preisverleihung zum ‚Sportler des Jahres’ 2026: “Danke, vielen Dank Herr Staatsrat, daß ich dies noch erleben darf! Aber zur Weltmeisterschaft 2006 war ich nicht in USA – sondern in Dresden, da habe ich drei Weltrekorde geschwommen – aber nicht in Delphin, sondern in Freistil – und meine Frau hieß Helga und nicht Helene....!“

Aus ‚Wirb oder stirb’ von Kurt Halbritter, Verlag Bärmeier & Nikel


 

Dies durfte auch Anna Drews3) erfahren (eine Athletin in der Altersklasse 40, mit Ambitionen auf zwei Finals in USA), die für die Intensivierung ihres Trainings zur WMM4) in den USA unseren Verband um Unterstützung bat. Sechs Wochen hörte sie gar nichts und dann lediglich eine lapidare Absage, mit dem Hinweis auf vorhandene Trainingsgruppen (in anderen Vereinen)! Aber jetzt einen Offiziellen als Begleiter nominieren.....?!

Fazit: Amateursport bleibt eben Sport von Amateuren durch Amateure für Amateure. Wie wichtig es ist, in der Sportszene erfolgreich mit ‚Erfolgreichen’ sein, zeigt uns unser Hamburger Senat, der sich plietsch beim kommerziellen ‚Event-Sport’ anbiedert und dies mit ‚Sportstadt Hamburg’ etikettiert. Er agiert damit (sogar zu SPD-Zeiten) traditionell volksfern aber geldnah - allenfalls ein Olegarchen-Kabinett.

Von unseren ~20 Finalaspiranten einer WMM4), werden unter diesen Umständen nicht einmal 10 in die USA jetten, die Wasserballer einmal nicht gerechnet, ein mickriger Haufen gegenüber bspw. den Berlinern. Dabei sein wird Anna (wenn ihr Privat-Sponsoring nicht verboten wird!), die mit sehr, sehr viel Glück zumindest einen passablen Trainingsort gefunden hat...

Wie sagt schon (der eher der CDU nahestehende) Konfuzius:

Ist man mit den kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man große Vorhaben zum Scheitern...

Georg Koch

1)Landes-Leistungs-Zentrum 2)Olympia Stützpunkt 3) Name geändert 4)Weltmeisterschaft der Masters

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